Weitere Programme
Es gibt noch einige durchaus bekannte Programme zur Dateisuche, die wir nicht ganz so umfassend getestet haben. Vor allem, weil sie letztlich doch völlig anders arbeiten oder genaugenommen gar nicht zur Suche unterschiedlicher Dateien in gemischten Archiven gemacht sind.Everything
Wer im Internet nach „Dateisuche" und ähnlichen Begriffen sucht, wird in unzähligen Artikeln immer wieder auf Everything treffen. Das Programm wird seit dem Jahr 2004 vom australischen Entwickler David Carpenter entwickelt (mir sehr sympathisch, ich bin selbst so einer :-) ... und als Freeware angeboten. Es gilt fast weltweit als ideale und bessere Alternative zur Suche im Windows-Explorer und leistet da wirklich Erstaunliches. So gut wie sofort wird selbst in größten Datenbeständen jede Datei angezeigt, die einen bestimmten Begriff im Namen trägt. Besser geht es nicht. Wobei: Es gibt noch das deutsche Tool 'Findmyfiles' von Abelsoft. Das liefert 'Dateinamen' ähnlich schnell. Mit noch etwas schickerer Oberfläche, aber auch noch etwas weniger Filteroptionen.
Allerdings: Suche nach Dateinamen hilft vielen Usern oft – aber nur begrenzt. Klar, die Zeit in denen Dateinamen nur 8 Zeichen lang sein konnten sind lange vorbei. Da kann man etwas speichern, wie: „Interview Professor Klugmann zur Notwendigkeit von Kraftwerksneubauten.docx". Wenn man aber jeder Datei, die aus beliebiger Quelle auf dem Rechner landet und auffindbar sein sollte, dann immer wieder mühsam bestmöglich sehr lange Namen geben wollte, wäre das eine ziemlich mühsame und am Ende bei unzähligen möglichen gesuchten Begriffen vergebliche Arbeit.
Volltextsuche mit Everything
Tatsächlich bietet Everything mittlerweile aber auch die Suche nach Inhalten an. Everything baut zwar für Dateinamen einen Index auf und ist damit rasend schnell. Bei Volltextsuche arbeitet es ähnlich wie Findit 6, es wühlt sich live durch die Dateien. Spannend!
Bei einem allerersten Versuch, bei dem wir nach dem einzelnen Wort „Dateien" suchten, hatten wir keine Stoppuhr mitlaufen, das Programm schien eine ganze Weile fast einzufrieren. Es zeigt leider auch keinerlei Fortschritt und auch nicht die Suchdauer an. Aber nach mehreren Minuten lieferte Everything 369 Treffer. Sogar deutlich mehr als beispielsweise das indexbasierte DocFetcher Pro. Aber eben doch nicht die 643, die Findit innerhalb von 13 Sekunden findet, bzw. 855, wenn Findit in 26 Sekunden den Datenbestand inklusive Mailanhängen, PDF und OCR durchsucht.
Dann starteten wir einen zweiten Versuch, diesmal mit Stoppuhr und nach unseren Standardsuchbegriffen „Dateien" und „finden" wie bei allen Tests im gewachsenen Archiv eines Journalistenbüros mit rund 50.000 Dateien und 50 GB Umfang.
Hier mussten wir erst mal die etwas versteckten Hinweise zur Abfragesyntax verstehen: Wir versuchten es mit d:\Archiv content:Dateien AND content:finden. Nach knapp 16 Minuten Stillstand zeigte Everything dann 8 Dateien. Wir merkten: Es hatte nach den beiden Worten im Inhalt gesucht und zusätzlich aber nach „AND" im Namen. Zweiter Durchlauf: d:\Archiv content:Dateien content:finden. Wieder rund 16 Minuten Wartezeit, dann 163 Treffer.
Wow, Überraschung! OK, die Suche dauert rund 40 mal so lange wie mit Findit. Aber immerhin endlich mal ein Programm, das ähnlich viel findet wie Findit! Doch dann eine Enttäuschung: Man kann per Screenshot schlecht beweisen, was NICHT vorhanden ist. Aber bei genauer Betrachtung der gemeldeten Treffer fanden sich doch zu viele, bei denen entweder das Wort „Dateien" oder das Wort „finden" eindeutig NICHT vorhanden waren.
Findit kann natürlich auch Dateinamen inklusive Ordnerpfad nach Text durchsuchen – braucht dafür aber doch deutlich länger als Everything mit seinem Index. Da ist Everything unschlagbar und „erste Wahl". Wenn es aber darum geht, Dateien wirklich anhand ihres Inhaltes zuverlässig zu finden, ist Everything für Findit kein Wettbewerber.
AnyTXT Searcher - Das kostenlose "Großmaul"
AnyTXT Searcher ist ein kostenloses Suchtool von CBEWIN Tech Limited (Hongkong, 2022). Die Software wirbt selbstbewusst als "best full-text search engine" und bietet eine moderne Oberfläche mit Dark Mode, über 10 Sprachen und integriertem OCR. Das Marketing verspricht Suchergebnisse in unter 0,1 Sekunden. Wir wollten herausfinden: Kann das "Großmaul" seine Versprechen halten?
AnyTXT baut einen Index auf. Die Oberfläche ist spartanisch aber übersichtlich, in 10 Sprachen und auch in Deutsch verfügbar. Allerdings ist die Bedienung wenig intuitiv, eine Hilfe-Funktion fehlt komplett. Man muss etwas suchen, bis man herausfindet wo und wie man einen Index anlegt. Wir aktivieren zunächst mal wirklich alle mehreren hundert angebotenen Dateitypen zur Indizierung. Das Programm meldet dann, zum Durchsuchen von Bildern müsste vorab OCR betrieben werden, das könne sehr lange dauern, wir wählen das trotzdem zusätzlich an und warten knapp eine halbe Stunde, bis die Indizierung abgeschlossen ist. Dann im selben Archiv wie bei allen anderen Tools mit identischer Suchabfrage nach "Dateien UND finden". Das Ergebnis kommt nicht wie bei Findit erst in (je nach Einstellungen 16 bis 30 Sekunden) sondern wirklich fast sofort: 108 gefundene Dateien in 0,034 Sekunden.
Das sind nur 63% von dem, was Findit findet (172 Treffer mit Standard-Konfiguration). Was fehlt? Bei genauerer Untersuchung: Keine Mailanhänge, keine Treffer in ZIP-Archiven. Laut online zu findender Dokumentation hat AnyTXT versuchsweise auch mal gepackte Archive und Anhänge gespeicherter Maildateien unterstützt, dies wurde in der aktuellen Version jedoch wieder entfernt. Allerdings: Auch wenn wir bei Findit gezielt Mailanhänge und ZIPs abwählen, findet Findit noch 133 Treffer, wo AnyTXT immer noch nur 108 findet.
Das Ergebnis: Die 108 Treffer sind das Maximum dessen, was wir der aktuellen Version entlocken können – unabhängig von der Konfiguration. Unbenommen: Die relativ neue Software hat Potenzial. Es gibt etwa die Option, die Oberfläche als HTML-Seite im Browser aufzurufen, sie sieht dann aus wie Google auf dem Desktop – dann allerdings nur rudimentär einstellbare Suchoptionen.
Die kostenlose Software bietet moderne Features wie OCR, mehrsprachige Oberfläche und beeindruckende Suchgeschwindigkeit. Mit nur 108 Treffern (63% von Findit) erweist sie sich mit ihrem Versprechen als "bestes Dateisuchprogramm der Welt" allerdings als "Großmaul" und bleibt weit hinter Findit zurück. Ein Tool mit Potenzial für Privatanwender – aber derzeit kein ernsthafter Findit-Konkurrent.
PowerGREP
PowerGREP ist ein kommerzielles Such- und Textverarbeitungswerkzeug für Windows, das sich vor allem bei EDV-Profis als leistungsfähiges Werkzeug für Datei-Analysen etabliert hat. Entwickelt und vertrieben wird es von Just Great Software Co. Ltd., einem Unternehmen um den belgischen Softwareentwickler Jan Goyvaerts mit Firmensitz in Phuket, Thailand.
Die ersten Versionen von PowerGREP erschienen bereits in den frühen 2000er-Jahren und wurde seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuell kostet eine Einzelplatzlizenz 159 US-Dollar, das Programm kann aber mit vollem Funktionsumfang 15 Tage lang getestet werden. Die Ausrichtung auf EDV-Profis zeigt sich auch an einer auf den ersten Blick sehr komplexen, auf unterschiedlichsten Icons basierende Oberfläche – und ein rund 400-seitiges Manual. Die Abfragesyntax basiert auf REGEX und ist sehr komplex, wer zur Bedienung Fragen hat wird vom Hersteller auf ein Forum verwiesen, das allerdings erst nach dem Kauf einer Lizenz freigeschaltet wird.
Wir haben versucht uns trotzdem einzuarbeiten und stellen fest: Das Programm wird häufig als „Dateisuche" beschrieben, ist aber eigentlich etwas ganz anderes: Es kann tatsächlich hochpräzise nach bestimmten Zeichenfolgen in unterschiedlichsten Dokumenten suchen. Seine entscheidende Funktion ist allerdings, dass es diese Zeichenfolgen auch nach beliebigen Regeln durch andere ersetzen kann. In einem echten Datenbestand eine potentiell hochgefährliche Fähigkeit, die nur von Spezialisten mit größter Vorsicht genutzt werden sollte. Bei Fehlbedienung oder gar Sabotage kann PowerGREP erhebliche Schäden in ganzen Datenbeständen verursachen.
Und: REGEX kann mit komplexer Syntax präzise bestimmen, in welchem Abstand mehrere Zeichenfolgen vorkommen müssen. Aber REGEX erfordert massive Rechenpower. Als wir unser Archiv aus 50.000 Dateien mit der in allen Tests genutzten Abfrage nach „Dateien" und „finden" (als ganze Worte, also etwa ohne „erfinden") und beliebigem Abstand durchsuchen wollten, meldete PowerGREP nach 3,5 Stunden auf unserem Ryzen 5, es habe nun 10 Prozent des Datenbestandes durchsucht.
Wir haben den Test nicht mehrere Tage lang durchlaufen lassen und beschränken uns auf diese kurze Erwähnung eines für andere Anwendungen sicher hochgradig perfekten Tools.
Copernic Desktop Search
Copernic Desktop Search ist ein kommerzielles Desktop-Suchwerkzeug für Windows, das Dateien, E-Mails, Dokumente und deren Inhalte über einen vollständigen Index durchsucht und dabei eine große Zahl unterschiedlicher Dateitypen unterstützt. Das Programm stammt vom Softwareunternehmen Copernic, das bereits seit den 1990er-Jahren Suchsoftware entwickelt und mit Copernic Desktop Search eine der etabliertesten Desktop-Suchlösungen am Markt geschaffen hat. Seit 2010 gehört die Marke zur Harris Computer Corporation, einem international tätigen Software- und IT-Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Kanada.
Das Produkt wird weltweit sowohl von Einzelanwendern als auch Unternehmen eingesetzt und nutzt einen Index, um Dateien und E-Mails lokal schnell durchsuchbar zu machen. Es unterstützt neben der Suche nach Dateinamen auch die Suche im Dokumentinhalt. Ergänzt wird dies durch zahlreiche Filter- und Sortiermöglichkeiten für unterschiedliche Dateiformate. In dieser Hinsicht ist Copernic Desktop Search grundsätzlich ein weiterer relevanter Wettbewerber für das ohne Index arbeitende Findit.
Allerdings ist die verfügbare Testversion funktional stark eingeschränkt und unterstützt nur eine begrenzte Auswahl an Dateiformaten. Wie alle indexbasierten Lösungen arbeitet auch Copernic mit sogenannten „Parsern", die jeden einzelnen Dateityp präzise nach festen Regeln auswerten. Ein Kunde muss die Unterstützung vieler Dateiformate einzeln oder in Form von Paketlösungen lizenzieren. Die entsprechenden Lizenzen werden als Abonnement mit jährlicher Mindestlaufzeit angeboten und sind im Voraus zu bezahlen.
Um Copernic Desktop Search in einem Funktionsumfang zu testen, der mit Findit vergleichbar wäre, wäre mindestens das „Elite"-Paket nötig gewesen, eine Investition von rund 89 Euro für die erste Jahreslizenz. Auf diesen Test haben wir daher verzichtet.